Reisebericht der Stella Maris von Kiel zu den Kanaren 2000

Abreise 2000
Stella Maris Kiel

Diesmal haben wir uns eine besondere Reise vorgenommen. Auslaufen ist für Mitte Juli 2000 geplant, Rückkehr – open End. Wir haben viel Zeit, da wir seit diesem Sommer beide das Berufsleben hinter uns gelassen haben. Wir, das sind Wolfgang Dinse und Ingeborg Voß. Dritte im Bunde ist die „Stella Maris“, ein etwa 10 m langer Seekreuzer aus Stahl (Deck und Kajüte aus Holz) von ausgesprochen schlanker Figur – nur 2,50 m breit, trotzdem ein rechtes Schwergewicht - voll ausgerüstet für Langfahrt rechnen wir mit ca 8 t. Sie begleitet uns seit 29 Jahren, ist aber schon 44 Jahre alt. Zur ständigen Besatzung auf der „Stella Maris“ gehören noch Gottlieb, der Daimler Einbaumotor, James, die elektrische Selbststeueranlage aus England (alle englischen Hilfsgeister heißen James) und Kasimir, die Windsteueranlage, deren Konstrukteur Kasimir hieß. Sie ist nur in sehr geringer Stückzahl gebaut, hat sich bei uns aber gut bewährt.

Das erste Etappenziel hieß Gran Canaria, von dem Verlauf der Reise dorthin will ich, Ingeborg Voß, hier berichten.

Als sich unser Abreisetermin näherte, wollten Freunde und Klubkameraden  wissen, wann es denn los gehen würde. Wir entschieden uns für den 9. Juli 10.00 Uhr. Obwohl uns Christian, der uns bis Brest begleiten wollte, ab dem 7. Juli kräftig half, zeichnete sich bald ab, daß die letzten Vorbereitungen mal wieder mehr Zeit als geplant benötigten. Am 9. Juli tranken wir mit den Freunden und Klubkameraden einen Schluck Sekt auf dem Steg und liefen wie geplant aus, überprüften die Deviation des Kompasses und waren nach 90 Minuten wieder im Hafen.

Am 11. Juli wurde es dann Ernst. Bei mäßigem Südwestwind und zeitweiligem Regen  erreichten wir abends Brunsbüttel und verholten am folgenden Tag bei West 6 nach Cuxhaven. Die nächsten beiden Tage füllte sich der Hafen weiter mit Windliegern, da Windstärke und Richtung nicht zum Auslaufen verlockten.

Am 15. Juli endlich hatte der Wind auf W 3 abgenommen und drehte bis zum 16. Juli morgens auf NW 4-5, so daß wir den Kurs nach Westen anliegen konnten. Die Herrlichkeit hielt jedoch nur kappe 2 Tage, dann liefen wir bei Nordhinder in ein schönes Hoch, das uns warmes Wetter und Flaute brachte. Mit Gottliebs Hilfe erreichten wir am 19. Juli morgens Cowes. Christian hatte Gelegenheit, sich die Insel Wight und Cowes anzusehen, während Wolfgang und ich versuchten, 2 Leckstellen, die sich auf der Fahrt aufgetan hatten, zu dichten. Um der einen Leckstelle näher zu kommen, mußte das gesammte Cockpit einschließlich des Inhalts der Backskisten ausgeräumt werden. Leider brachte insbesondere im Cockpitbereich der erste Versuch keine Besserung. In den nächsten Häfen haben wir uns dem Thema weiterhin widmen dürfen, hatten aber letztlich Erfolg. Im Augenblick ist das Schiff vollständig dicht.

Winchester - die TafelrundeAbends mußten wir Cowes noch verlassen, da der gesamte Hafen für eine Motorbootsgeschwaderfahrt reserviert war. Wir verholten in den Hamble-River, wo wir um 22.00 Uhr festmachten. Hier blieben wir vier Tage, verbrachten viel Zeit mit Freunden, besuchten Winchester (Kathedrale und König-Artus-Halle) und Chichester. Christian besuchte in Gosport die Victory, die wir schon aus früheren Zeiten kannten.

Am 23. Juli nutzten wir einen wunderbar passenden Wind aus Ost Stärke 5 um in Richtung Brest auszulaufen. Wir verzichteten darauf, die Kanalinseln anzulaufen, obwohl wir uns schon sehr auf den Hummer a la Thermidor in St. Peter Port gefreut hatten. Wir liefen auch nicht l’Aberwrach an, um Langostines Armoricaine zu essen, sondern nutzten den passenden Wind, der inzwischen auf ENE gedreht hatte, um Brest direkt anzulaufen. Am 24. Juli am späten Nachmittag verließ uns dann das Glück, es trat Windstille ein und Gottlieb brachte uns nach Camaret (ca 10 sm vor Brest), wo wir am 25. Juli morgens fest machten. Am nächsten Tag verholten wir unter Motor nach Brest in den Hafen Moulin Blanc, da weiterhin kein brauchbarer Wind zur Verfügung stand.

Christian verließ uns hier wie geplant. Leider hatte er keine Zeit mehr, mit uns per Mietauto die Bretagne anzusehen. Wir machten uns zunächst nach l’Aberwrach auf, um die Langostines zum Abendessen zu verspeisen (das letzte Mal hatten wir 1980 die Langostines gegessen). – Welche Enttäuschung – die schöne Hafenfront ist mit Appartements zugebaut, die alte Fischerkneipe gab es zwar noch, aber es wurde nur noch Fastfood angeboten. Entlang der Westküste der Bretagne am CamaretLeuchtturm St. Matthieu vorbei kehrten wir so rechtzeitig nach Moulin Blanc zurück, daß wir in der Hafenkneipe Moules et Frites (Miesmuscheln mit Pommes) – eine Spezialität des Hauses – essen konnten. Am nächsten Tag fuhren wir nach Carnac, um uns die vielen  Hinkelsteine anzusehen, die unsere Vorfahren aus der Megalithzeit (3. Jahrtsd v. Chr.) dort in großer Zahl aufgestellt haben. Weitere Tage vergingen mit Basteleien am Boot, Ergänzung des Proviants, Besichtigungen  in Brest und ersten Klönschnacks mit Crews, die ähnliche Pläne wie wir hatten.

Am 1. August endlich verließen wir Brest bei sommerlichem Wetter mit wenig Wind aber ablaufendem Wasser. Nach wenigen Minuten wurden wir von einer Nebelbank überfallen, tasteten uns unter Radar voran und wichen einem von Steuerbord kommenden Querläufer aus (wohl zu hören aber nicht zu sehen). Nach einer Weile lichtete sich der Nebel und wir hatten wieder schönes Sommerwetter, erreichten gegen Mittag Raz De-Sein bei starkem Gegenstrom. Wir brachten die Passage mit Motorhilfe hinter uns. Dann nahmen wir Kurs auf La Coruña, das wir bei WSW-Winden Stärke 4 bis 5 gerade anliegen konnten. Dann drehte der Wind Camaretjedoch über West und Nordwest nach Nord und wir nutzten die Gunst der Stunde, um gleich auf Cap Finisterre Kurs zu nehmen. Am 4. August standen wir vor Camariñas und entschlossen uns, dort hineinzusegeln. Abends gingen wir in der Bucht vor Anker, was sich zunächst als schwierig erwies, da der Boden stark verkrautet war. Endlich griff der Anker jedoch  und wir verbrachten eine ruhige Nacht. Am nächsten Morgen verholten wir bei NE 6 bis 7 in die Marina.

Wir waren jetzt gute drei Wochen unterwegs und ich hatte das Gefühl, daß wir uns bei unseren Freunden einmal melden sollten. Soweit vorhanden, hatten wir eMail-Kontakt vereinbart. Zu diesem Zweck hatten wir für das Handy ein Verbindungskabel zum Laptop und eine spezielle Software erworben. Als Provider hatten wir aol gewählt, weil man sich weltweit in nahe Knotenpunkte einwählen kann. Mein Versuch, mich in England ins Internet einzuklicken, scheiterte. Die aol-Hotline in England meinte, daß sie mir nicht helfen könnten, aol-Deutschland hätte lauter „Sonderlocken“ drauf. Von der Hotline Deutschland erfuhr ich dann, daß es für Handys bei aol weltweit nur einen Knotenpunkt zum Einwählen gäbe und der wäre in Gütersloh in Deutschland. Meine Versuche, mich dort einzuwählen, scheiterten ebenfalls. Ein erneuter Anruf bei der Hotline brachte dann zutage, daß die aol-Version, die ich hatte, mindestens eine Übertragungsgeschwindigkeit von 14.900 Baud benötigt, das Handy schafft aber nur 9.600. Nur die Version 3.0 von aol stellt keine besonderen Ansprüche an die Geschwindigkeit, diese wird aber nicht mehr an Kunden ausgeliefert.

Meine Idee, unterwegs über das Handy das Internet zu erreichen, war voll gescheitert. Also  mußte ein Internet-Café her. Ich hatte gehört, daß es so etwas gibt, aber eine richtige Vorstellung davon besaß ich nicht. Im Hafenbüro in Camariñas erfuhren wir, daß im Nachbarort  (etwa 8 km entfernt) ein Internet-Café existieren sollte. Es sollte auch ein Bus dorthin fahren. –Eine Bushaltestelle war nicht zu erkennen, ein Fahrplan schien nicht zu existieren, aber in einer Bar im Ortszentrum versicherte man uns, daß mittags vor der Bar ein Bus abfahren würde, der abends auch wieder zurück kommen würde. Wir machten uns also auf den Weg und erreichten den Nachbarort. Das zunächst gefundene Internet-Café hatte an diesem Tag geschlossen, bei dem zweiten funktionierte nichts und ich verstand die Hinweise auf dem PC-Bildschirm nicht, da diese alle auf Spanisch erfolgten. (Im Nachhinein ist mir klar geworden, daß der PC nicht online geschaltet war). Die Bedienung in der Kneipe hatte jedoch auch keine Ahnung, so daß ich meinen ersten Internet-Café-Ausflug enttäuscht abbrach. Da der Bus erst in einigen Stunden zurückfuhr, stellten wir uns an die Straße und wurden auch bald mitgenommen. Am nächsten Tag starteten wir den 2. Versuch, wieder mit dem Bus in den Nachbarort, hin zum Internet-Café, dessen Lage wir schon kannten, hinein ins Internet (es klappte) und erst einmal die Post gelesen und dann den ersten Rundbrief aus einem Internet-Café geschrieben. Dann noch schnell einen Blick auf den Kontostand (homebanking hatte ich eingerichtet). Jetzt konnte ich froh das Café verlassen. Wieder an die Straße gestellt, erreichten wir bald Camariñas. Seit dem habe ich schon mehrere Internet-Cafés aufgesucht, teilweise wird der Service in den Marinas angeboten. Am schönsten ging es in Villamoura, hier war das Internetsurfen in den Liegegebühren enthalten und die PCs standen in einem sehr ruhigen, klimatisierten Clubraum. Die meisten anderen PCs waren in dunkle, stickige Ecken gequetscht.

Am 9. August  verließen wir Camariñas und machten uns bei schönem Sonnenwetter auf den Weg nach Bayona, das an der Bucht von Vigo liegt. Wind gab es keinen, dafür aber überfielen uns schon bald Nebelbänke, die sich gegen Abend zu Dauernebel verdichteten. Wir liefen abends unter Radar eine Ankerbucht der Cies-Inseln (die liegen am Eingang zur Bucht von Vigo) an, verbrachten eine ruhige Nacht und verholten am nächsten Morgen bei diesigem Wetter unter Radar und mit GPS-Hilfe nach Bayona. Bayona ist ein netter spanischer Badeort, der auch noch viele kleine Fischer beherbergt.

Nach zwei Tagen (am 12. August) verließen wir wieder Bayona. Wind gab es weiterhin keinen. Nach sechs Stunden erreichten wir Viana do Castelo. Abens machten wir in dem kleinen Ort einen Spaziergang. Am nächsten Morgen ging es weiter. Die Flaute blieb uns treu. Wir warteten immer noch vergeblich auf den portugiesischen Norder. Nachmittags erreichten wir  Leixoes, den an der Küste liegenden Tieferwasserhafen von Porto. Wir bastelten mal wieder einen Tag am Schiff und machten uns dann weiter auf den Weg nach Süden.

Unter Motor liefen wir die kurze Strecke bis zur Douro-Mündung, um zu einer Fotosafari bis Porto den Fluß hinaufzufahren (von Land aus hatten wir Porto bereits vor fünf Jahren besucht). Der Douro hat eine breite Mündung, die im Norden dicht an einer Mole und einigen Klippen ein tiefes Fahrwasser hat, nach Süden jedoch liegt ein breites Flach, auf dem eine große Anzahl von Fischern mit kleinen Booten angelten. Wir fuhren langsam in die Mündung hinein und beobachteten ständig das Echolot. Ein neben uns fahrender Fischer winkte uns, weiter nach Norden, dichter zu den gruseligen Klippen zu steuern. Er hielt sich eine Strecke schräg vor uns und winkte uns immer zu, weiter nach Norden zu halten. Dann rief er uns zu, daß wir in ausreichend tiefem Wasser seien, drehte sein Boot und fuhr wieder nach See raus. Wir waren von so viel Freundlichkeit sehr beeindruckt. Die Fahrt nach Porto verlief ohne Schwierigkeiten, der Ort ist vom Fluß aus mindestens so malerisch, wie von Land. Die Portweinboote sind weiterhin am Südufer verankert, ein vor fünf  Jahren im Fluß verankerter Schwimmsteg, an dem Yachten sicher festmachen konnten, ist jedoch nicht mehr vorhanden. An den Ufern gibt es so gut wie keine Liegemöglichkeiten. Bei Erreichen der großen Doppelbrücke, die von Eiffel konstruiert wurde, drehten wir ab und liefen wieder nach See raus.

Am Nachmittag kam endlich der ersehnte Nordwind auf. Bei 3 bis 5 Windstärken segelten wir Richtung Lissabon. Am Abend des folgenden Tages erreichten wir die Tejo-Mündung, der Wind frischte ordentlich auf, so daß wir noch reffen mußten. Um 22.00 Uhr ankerten wir in der Bucht bei Cascais. Inzwischen hatte der Wind auf 8 Bft zugelegt. Wir bändigten den Windgenerator, um ein Verschmoren zu vermeiden. (Der Vorgänger war in einem Sturm bei Island im Jahr zuvor verschmort). Unser Ankergeschirr, ein 20 kg CQR-Anker mit 40 m Kette ließ uns eine ruhige Nacht verbringen.

Bei LagosAm nächsten Vormittag (17. August) fuhren wir bei umlaufend 2 den Tejo hinauf und machten mittags im Docca de Bom Successu fest. Auch Lissabon hatten wir vor fünf Jahren schon mal besucht. Wir schauten uns einige Sachen an, die wir zuvor nicht besichtigen konnten, u.a. das Marinemuseum, das eine Vielzahl von Schiffsmodellen beherbergt und dadurch eine gute Übersicht über die Entwicklung der Rümpfe und der Takelage der seegehenden Schiffe von der Zeit der Entdeckungen bis zum 20. Jahrhundert bietet.

Am 19. August liefen wir wieder aus. Wind gab es wieder einmal keinen, so liefen wir abends Sines an. Sines ist ein kleiner alter Ort mit einer netten Altstadt, der jedoch neben dem Fischerei- und Yachthafen auch einen Industriehafen hat (Ölverarbeitung und Kohlekraftwerk).

Wir verbummelten einen Tag mit viel Kontakten zu den anderen Seglern im Hafen und machten uns erst am 21. August wieder auf den Weg, den wir bis mittags mit Motorhilfe gestalteten. Dann machte sich ein schöner NW-Wind auf und wir konnten endlich mal wieder segeln. Abens ankerten wir vor Lagos (Algarve), um am nächsten Tag in die Marina zu verholen. In Lagos ist es ganz nett, nur nachts wurde es laut, wenn eine Disco am Hafen ihre Verstärker aufdrehte.

Die Algarveküste ist großenteils von Sandsteinsteilküsten geprägt, die stark erodiert sind und dadurch viele Buchten, einzeln stehende Felsen und Höhlen aufweisen. Nach drei Hafentagen verholten wir zu einer interessanten Bucht vor dem Hafen, machten das Schlauchboot fertig und kurvten zwischen den Felsen und in den Höhlen herum, um dann die wenigen Meilen nach Portimao zu segeln. Samstag, 26. August verbrachten wir in Portimao. Eine Elektronikwerkstatt, die uns vor fünf Jahren die elektrische Selbsteueranlage reparierte, konnten wir (da es Samstag war) nicht erreichen. So blieb das elektrische Ladegerät funktionsuntüchtig.

Da wir vor fünf Jahren den Törn zu den Kanarischen Inseln über Porto Santo und Madeira gesegelt waren, wollten wir diesmal an der iberischen Südküste nach Osten, um eventuell über Marokko zu den Kanaren zu segeln. In Lagos begannen wir, Informationen über die Atlantikhäfen von Marokko zu sammeln und lernten bald auch Segler kennen, die dort zuvor gewesen waren. Wir wurden dringend davor gewarnt, da die Atlantikhäfen in Marokko außerodentlich dreckig und die Mitarbeiter der verschiedenen Einklarierungsbe-hörden sehr korrupt seien. Wir verzichteten daher – hoffentlich weise – auf diesen Teil der Reise. Auf Lanzarote trafen wir einen weiteren deutschen Segler, der eine Reihe von Mittelmeer- und Atlantikhäfen Marokkos angelaufen hatte. Während er von den Häfen und den Beamten im Mittelmeer ganz begeistert war, bestätigte er das vernichtende Urteil über die Verhältnisse in den Atlantikhäfen.

Am nächsten Tag segelten wir nach Villamoura (kauften ein kleines Ladegerät, um die Kühlbox auch in den Häfen betreiben zu können) und von dort in die Bucht von Cadiz nach Puerto de Santa Maria, einem Flußmündungshafen, wo wir am 30. August ankamen. Wir hatten die Strecke bei meist angenehmen NW-Winden zurückgelegt.

Von Santa Maria wurden früher die Sherryweine nach England verschifft, die in dem 15 km entfernten Jerez de la Frontera und in Santa Maria selbst hergestellt werden.

Die nächsten fünf Tage verbrachten wir mit Ausflügen nach Jerez, Cadiz und Puerto Sherry. Während Jerez und Cadiz wunderschöne alte Städte sind und es viel zu sehen gab, ist Puerto Sherry eine moderne Marina mit Feriensiedlung, die nur zur Hälfte fertiggestellt ist und einen traurigen Eindruck macht. Die Marina war gerade Konkurs, der Betrieb wurde jedoch von einem Konkursverwalter leidlich aufrechterhalten.

Einen Teil unserer Hafenzeit widmeten wir auch der „Stella“. Da unser Ruder ein bischen schwergängig war und die Gefahr bestand, daß Kasimir Schwierigkeiten damit bekommen könnte, entschlossen wir uns, mit dem Schiff aus dem Wasser zu gehen. Das Ruder ist im Koker in einer Kunststoffhülse gelagert. Wir vermuteten, daß die Hülse durch Unterrostungen eingeengt war und hierdurch das Ruder schwergängig wurde. Mehrere Möglichkeiten, das Boot kurzfristig aus dem Wasser zu nehmen, zerschlugen sich. Also auf nach Puerto Sherry. Zur Marina gehörte auch ein Travellift und ein Gelände, auf dem man an Land stehen konnte. Wir verholten Freitag morgens nach Puerto Sherry und vereinbarten, sofort aus dem Wasser zu gehen. Bis 18.30 konnten wir am gleichen Tag wieder ins Wasser, sonst erst am Montag. Um 12.00 Uhr standen wir, von einer sachkundigen Mannschaft gut aufgepallt, fest an Land. Um 15.00 Uhr war das Ruder, nach Bearbeitung des Lagers wieder eingesetzt, eine Plastikleine aus dem Bugstrahlruder entfernt, der Wasserpaß gereinigt und an einigen Stellen Giftfarbe nachgemalt. Wir ließen die Giftfarbe trocknen und bestellten den Travellift zu 17.00 Uhr. Um 17.30 schwammen wir wieder im Hafen, besuchten den TO-Stützpunkt-Leiter, um in seiner Bar einen Sundowner zu genießen.

Ankerbucht GraciosaAm 4. September späten Nachmittag verließen wir Santa Maria, wohin wir aus Puerto Sherry wieder zurückgekehrt waren. Ziel war Graciosa, eine kleine Kanareninsel eben nördlich von Lanzarote. Nach kurzer Zeit schlief der leichte Wind ganz ein und Gottlieb mußte wieder ran. Nachts um 2.00 Uhr hatten wir dann aber wieder Wind, der uns mit Ausnahme von zwei Stunden bis kurz vor Graciosa auch treu blieb. Er wehte aus nördlichen Richtungen und frischte teilweise so weit auf, daß wir reffen mußten. Die letzten vier Stunden vor der Ankerbucht auf Graciosa verließ uns der Wind wieder, so daß wir nach fast genau fünf Tagen unter Motor die angestrebte Ankerbucht erreichten. Obwohl bereits zehn Jachten vor Anker lagen, war noch ausreichend Platz. Wir hatten diesen Ort zur Ankunft auf den Kanaren gewählt, weil die „Moony“, eine andere Kieler Yacht, dort vor fünf Jahren ganze zwei Wochen verbrachte. Wir wollten nach zwei Tagen weiter, blieben aber neun Tage, bastelten am Boot, besuchten andere Schiffe, wanderten ein bischen auf der Insel, gingen in den nächsten Ort einkaufen (mindestens 45 Minuten eine Strecke (mit unserem Dingi benötigten wir 30 Minuten) und genossen das Bordleben. Graciosa  ist einfach schön. Warum ? Ich weiß es nicht, denn es ist nur eine Sandinsel mit trockenen Sträuchern und einigen Vulkankegeln. Aber die Bahia Francesa  sei jedem empfohlen, der in dieser Gegend herumsegelt.

Uns blieben gute drei Wochen, um Mogan auf Gran Canaria zu erreichen, um dann für einen vierwöchigen Urlaub nach Hause zu fliegen. Wir segelten also am 17. September los und erreichten abends Puerto Calero, die Marina mit den goldenen Pollern auf Lanzarote. Die Marina ist gut geführt, die Liegegebühren sind ganz normal und Lanzarote ist eine aufregende Insel. Wir mieteten für zwei Tage ein Auto und erkundeten die Natur der Insel und durch Besuch des Hauses des Architekten Manrique auch ein bischen von der Kultur.

Von Lanzarote segelten wir einen Tag nach Puerto Castillo auf Fuerteventura, einer weniger schönen dafür aber teureren Marina als Puerto Calero. Mit einem Mietauto durchstreiften wir den Norden der Insel, weniger aufregend als Lanzarote, jedoch haben die großen Sanddünen auch ihren Reiz.

Um die Strecke nach Las Palmas (Gran Kanaria) aufzuteilen, ankerten wir eine Nacht vor der Südspitze von Fuerteventura vor Morro Jable und verbrachten einen netten Abend mit der Crew eines Katamarans, die wir bereits in der Ankerbucht von Graciosa und in Puerto Calero getroffen hatten. Die beiden sind auf dem Weg nach Brasilien. Auf dem Weg nach Las Palmas am nächsten Morgen bekamen wir die ersten Anzeichen einer Zone der Windverstärkungen zu spüren. Die Südküste von Fuerteventura ist durch heftige Fallböen gekennzeichnet. Nach Erreichen des freien Seeraums konnten wir dann jedoch mit einem stetigen Wind nach Las Palmas segeln, das wir abends erreichten. Der Hafen von Las Palmas hat eine neue Mole und neue Schwimmstege erhalten, so daß man dort jetzt gut liegt. Wir blieben zehn Tage, lagen zufällig neben einer Yacht aus Büsum, die wir bereits in Brest zum ersten Mal getroffen hatten und gegenüber von Bekannten aus Kiel. Jürgen und Brigitte mit ihrer „Good Fellow“ wollen auf den Kanaren überwintern. Wir nutzten die Tage, um Ausrüstung zu ergänzen und Reparaturen durchzuführen oder Ausrüstungsgegenstände herzustellen. Das Wetter in Las Palmas war angenehm, gelegentlich regnet es mal ein bischen, aber abends kühlte es auf 20 Grad Celsius ab, so daß man bei Wind auch mal eine Jacke brauchte. Am 6. Oktober verholten wir nach Mogan, wo wir im Mai diesen Jahres bereits einen Liegeplatz  reserviert hatten. Hier war es deutlich wärmer, von Regentropfen war auch keine Rede mehr. Das Boot liegt dort und wartet auf uns, bis wir am 8. November wieder nach Gran Canaria fliegen, um die „Stella“ für die nächste Etappe unserer Reise fertig zu machen. Wir wollen dann mit Friedemann gegen Ende November über die Kapverden nach Barbados aufbrechen, das wir vor Weinachten zu erreichen hoffen. Auf Barbados wollen wir Ina, Friedemanns Frau treffen, um gemeinsam noch ein bischen die Karibik zu erkunden. Danach wollen Wolfgang und ich nach Besuch hoffentlich vieler Inseln nach Norden segeln, um die Ostküste der USA zu erreichen. Für einige Etappen haben sich auch wieder Freunde angesagt. Hiervon wird dann die Fortsetzung dieses Berichtes handeln.

PS
Vielleicht sollte ich noch ein paar Worte zum Thema Energieversorgung sagen. Wenn wir segeln und ausreichend Fahrt im Schiff haben, macht ein Wellengenerator ausreichend Strom, um alle Verbraucher, einschließlich der Kühlbox und einem Wassermacher, zu versorgen. Wenn wir auf Reede liegen, dienen zur Zeit ein Windgenerator und ein 20 Watt Solarpaneel der Energieversorgung. Der neue Windgenerator  stört zwar nicht im Radio (großer Vorteil), ist aber ein Schwächling. Selbst mit der kleinen Solarzelle zusammen reicht der Strom nicht für die Kühltbox. Wir wollen daher in Mogan noch eine 50 Watt Solarzelle nachrüsten, dann sollte es reichen. Für Hafenliegetage haben wir ein leistungsfähiges Ladegerät, das inzwischen wieder funktioniert.

Ingeborg Voß


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